Coronavirus-Simulation: Eine greifbare Visualisierung

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Montagmorgen, 16. März. Im Büro erwartete mich ein enthusiastischer Benni: „Wir brauchen eine Coronavirus-Verbreitungs-Simulation! Am besten heute noch. Schafft ihr das?!“ Er war Feuer und Flamme. Bennis Frage vorauseilend galten meine Gedanken der Umsetzung, während Christian — der zweite Entwickler neben mir — geschwind ein unmissverständliches „klar!“ antwortete.

Startschuss

Christian und ich begannen direkt am Algorithmus für die Simulation zu arbeiten. Einvernehmlich entschieden wir uns für eine Umsetzung in modernem JavaScript, ohne Schnickschnack. Also auch keine Frameworks. Modernes ES, mehr nicht. Was für eine schöne Gelegenheit für ein Projekt ohne Fertigprodukte.

Als Backend-Entwickler konnte Christian in die der Simulation zugrundeliegenden Mathematik schneller eintauchen und diese zĂĽgig umsetzen, sodass wir unsere Arbeit ab Mittag aufteilten. Er verfeinerte die Logik und ich erstellte ein HTML-Layout, aus welchem ich im Anschluss eine Simulation aufzeichnen wollte. Um bei der Aufnahme meines Retinabildschirm ein Endformat von 1024 Ă— 1024 Pixeln zu erreichen, legte ich das Container-Element in 512 Ă— 512 Pixeln an. Wenn du am Code interessiert bist, kannst du ihn dir gerne live anschauen.

Um etwa 18 Uhr exportierte ich das erste Video; nach einigen Verfeinerungen wurde 19 Uhr das finale Video in den sozialen Medien geteilt. Darauf zu sehen sind zwei Populationen, in welchen sich unterschiedlich viele Menschen frei bewegen. In einem Graphen werden wird die Anzahl der Gesunden, Erkrankten, Genesenen sowie Toten aufgezeichnet. Inmitten des Graphen weist eine Linie auf die kritische Krankenhauskapazität hin, bei deren Überschreiten mehr Todesfälle in der Population auftreten.

Das Endprodukt war nicht an allen Seiten geglättet, aber war ausreichend effektiv und konnte sich sehen lassen. Es tat gut, etwas Informatives und Positives zur Coronakrise beigetragen haben zu können.

Ein voller Erfolg

Benni behielt recht, der Post ging durch die Decke und wurde zu einem der meist geteilten KATAPULT-Beiträge.

Simulation der Coronavirus-Verbreitung
Warum es so wichtig ist, Kontakt zu anderen Menschen zu vermeiden! Du kannst die Simulation hier selbst starten und anpassen: corona.katapult-magazin.de

In den darauffolgenden beiden Tag erstellte ich eine Website, ĂĽber die jeder Besucher eine Simulation starten, sowie den Parameter der sich frei bewegenden Personen anpassen kann. Dadurch kommt die Wirkung sozialer Distanzierung dynamisch und greifbar zum Ausdruck.

Am Mittwoch den 18. März veröffentlichten wir ein zweites Simulationsvideo, welches mit akkuraterem Algorithmus und angepasstem Farbschema aufwartete. Dieses wurde zu unserem erstaunen am Sonntag im ARD bei Anne Will zur Erklärung herangezogen.

Erklärung von Social Distancing bei Anne Will

Hintergrund

Die Washington Post hatte am 14. März einen Artikel mit Visualisierungen erstellt, der bereits international an Anerkennung gewann. Der Gesundheitsforscher Drew Harris kritisierte daran, dass Todesfälle durch das Virus nicht in Betracht gezogen werden. Wir erweiterten daher deren Simulation auf die Todesfälle ausgedehnt.

Update

Mittlerweile gibt es deutlich differenziertere Epidemie-Simulatoren, in denen eine Vielzahl an Parametern eingestellt werden kann. Meine Empfehlung:

Epidemie-Rechner

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