Wantalon: Kuratierte Kunstparcours

Mobile App (2023)

Wantalon-Branding — abstrakte grüne Fingerabdruck-Grafik auf dunklem Hintergrund
Wantalon-Startseite mit interaktiver Karte, nummerierten Kunststationen und einer Liste verfügbarer Parcours
Parcours-Detailkarte für „Dekadensprung“ mit Vorschaubild und Tourbeschreibung
Parcours-Detailansicht mit Stationsliste auf der Karte und ausgewählter Stationskarte in Leipzig
Detailseite einer Kunststation mit Fassadenfoto, hervorgehobenem Zitat und Künstler*innenangabe
Wantalon-Postkartengalerie mit einem Raster aus sammelbaren Kunstpostkarten und Teilen-Funktion

Wantalon – althochdeutsch für „wandeln“. Kuratierte Kunstparcours, die dich gehend durch Städte führen.

2022 pitchten mir Petra Mattheis und Sascha Nau ihre Idee: eine App, die Kunst in den öffentlichen Raum bringt. Entstanden war der Gedanke während der Pandemie, als Museen und Galerien geschlossen waren. Warum nicht die Stadt selbst zur Galerie machen? Die App nimmt die Nutzer*innen an die Hand und wandelt mit ihnen durch die Stadt – vorbei an Ruinen, Brachen und Leerstand, die nicht Hindernisse sind, sondern Orte für künstlerische Interventionen.

Kennengelernt haben wir uns über die Kirby-Community. Petra und Sascha konzipierten Inhalt und Gestaltung, ich übernahm die technische Umsetzung. Was mich sofort überzeugte: Ich bin in einer Nachbarstadt von Zeitz aufgewachsen. Die Gegend kenne ich, die leerstehenden Häuser, die stillen Straßen. Wantalon war für mich von Anfang an auch ein persönliches Projekt. Zur selben Zeit hatte ich bereits einige Apps mit Ionic gebaut – die technische Grundlage war also da.

Wantalon im App Store und bei Google Play

Wantalon ist kostenlos und respektiert deine Privatsphäre – keine Werbung, kein Tracking.

Wantalon im App Store
Wantalon bei Google Play

Eine interaktive Karte führt dich zu den Stationen eines Parcours. Sobald du dich einer Station näherst, wird sie freigeschaltet – du musst also tatsächlich vor Ort sein. Ab einer bestimmten Zahl besuchter Stationen kannst du digitale Ansichtskarten verschicken. Weitere Informationen findest du bei Wunderwesten.

Die Parcours

Mittlerweile sind in Wantalon vier Parcours entstanden – drei in Zeitz und einer in Leipzig. Jeder Parcours hat ein eigenes Thema und eine eigene Handschrift. Gemeinsam ist ihnen, dass die Stationen erst freigeschaltet werden, wenn man sich in einem Radius von 20 Metern befindet. Man muss sich also wirklich auf den Weg machen.

#zeitzseeing (Zeitz)

Der erste Parcours nähert sich der Stadt gehend, flanierend. Die Fotografien von Petra Mattheis und Sascha Nau sind Puzzlestücke einer Stadt, die kein ganzes Bild ergeben – die fehlenden Teile entstehen erst, indem man selbst durch Zeitz geht, innehält, schaut und weitergeht. Unterteilt ist der Parcours in vier Bereiche: Vacancies, Quiet Quitting, Concrete Expressionism und Passing Sculptures.

Schatten (Zeitz)

Der Parcours Schatten entstand aus einem Open Call und versammelt Arbeiten von acht Künstler*innen und zwei Künstler*innengruppen aus Albanien, Deutschland, der Schweiz und den USA. Eine interdisziplinäre, digitale Ausstellung, die sich auf vielfältige Arten mit dem Thema Schatten auseinandersetzt – von elektromagnetischen Klanguntersuchungen über Erzählungen von Gleisen bis zu vergangenen Lebensgeschichten. Kuratiert wurde der Parcours von Diana Artus und Petra Mattheis.

Gespräche über Kohle (Zeitz)

Der Kohleabbau prägt die Umgebung von Zeitz seit Jahrhunderten. Mit dem beschlossenen Kohleausstieg 2035 steht die Region vor einem weiteren Strukturwandel. Dieser Parcours macht die Auswirkungen des Bergbaus anhand konkreter Orte greifbar und ergänzt sie durch Interviews mit lokalen Akteur*innen, die die Erinnerung an die Industriekultur bewahren. Sechs Stationen, beginnend am Bahnhof – und wer aufmerksam durch die Stadt geht, entdeckt an vielen Gebäuden das Symbol der gekreuzten Schlägel und Eisen.

Dekadensprung (Leipzig)

Der erste Parcours außerhalb von Zeitz führt durch den Leipziger Westen. Dekadensprung folgt den Spuren von Menschen, die ihr Viertel mit Projekten und Initiativen in den letzten Jahrzehnten geprägt haben. An den Stationen kann man sich anhören, weshalb diese Orte für die jeweiligen Akteur*innen eine besondere Rolle spielen. Der Parcours basiert auf dem 2013 gestarteten Online-Magazin Wunderwesten, das den Stadtwandel im Leipziger Westen dokumentiert.

Technologie

Hybride App im Frontend

Unter der Haube ist Wantalon eine Web-App, gebaut mit dem Ionic Framework. Ionic bringt Capacitor als Laufzeitumgebung mit, um die Web-App als native iOS- und Android-App auszuliefern. Da ich Vue-Liebhaber bin, fiel die Wahl des Frontend-Frameworks leicht.

Ionics eigene Komponenten imitieren den Look nativer Anwendungen – doch da Wantalon ein eigenständiges Design hat, habe ich die meisten Bedienelemente eigenhändig erstellt. Als Bundler dient Vite, für die Kartenansichten setzen wir Mapbox ein.

Kirby CMS im Backend

Im Backend werkelt Kirby CMS. Petra und Sascha pflegen dort eigenständig alle Inhalte – Stationen, Texte, Bilder – und die App holt sich die Daten über die Kirby Query Language API. Da Kirby von Haus aus nicht als headless CMS gedacht ist, nutze ich mein eigenes Plugin Kirby Headless, das tokenbasiertes Laden von KQL-Daten ermöglicht und auch mit mehrsprachigen Installationen zurechtkommt. Im Frontend greift Nuxt Kirby, meine Kirby-Integration für Nuxt, die Daten lazy für einzelne Seiten ab.

  • Kirby Headless: Kirby-Plugin, um tokenbasiert KQL-Daten zu laden, auch geeignet für multilinguale Kirby-Installationen
  • Nuxt Kirby: Integration von Kirby CMS für Nuxt

Dass in Wantalon gleich zwei meiner Open-Source-Projekte zum Einsatz kommen, freut mich besonders. Die App ist damit auch ein Beweis dafür, dass die Werkzeuge, die ich baue, im echten Einsatz funktionieren.