Premium Plugins für Kirby CMS

Digitale Produkte (seit 2024)

Promo-Grafik für „Kirby Copilot“ mit Oberfläche zur KI-gestützten Inhaltsgenerierung
Promo-Grafik für „Kirby Content Translator“ mit Übersetzungsdialog im Panel
Promo-Grafik für „Kirby SEO Audit“ mit einem Audit-Report-Panel auf dunkelgrünem Hintergrund
Promo-Grafik für „Kirby Live Preview“ mit CMS-Ansicht und Seitenvorschau

Noch nie zuvor hatte ich ein digitales Produkt verkauft. Weder ein Template, noch ein Icon-Pack. Anfang 2024 änderte sich das – und aus diesem Debüt ist in über zwei Jahren ein kleines Ökosystem gewachsen: vier kommerzielle Plugins fürs Kirby CMS, ein Lizenzserver auf Cloudflare Workers, ein Customer-Portal und eine Website inklusive Plugin-Dokumentation. Mein kleines großes Nebenprojekt.

Alles begann mit einem Prompt (aber anders, als du denkst)

Um die Möglichkeiten verschiedener KI-Bibliotheken besser zu verstehen, neue Modelle per API anzuzapfen und generell Erfahrung mit KI zu sammeln, baute ich 2023 eine Alternativ-UI zu ChatGPT. Zeitgleich wurde das Feuer entfacht, mich an einem „Pro-Plugin“ zu versuchen, das mit guter Editor-Experience glänzt. Zu diesem Zeitpunkt waren alle meine bisherigen Kirby-Plugins Open Source. Als erstes kommerzielles Plugin lag die Antwort nahe: eine Brücke zwischen KI-Modellen und dem Kirby Panel. Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand das versuchen würde – also wollte ich der Erste sein.

Der Kirby Copilot begann rückblickend betrachtet ziemlich basal. Ein Textfeld für Prompts, ein Button, generierter Text. Nett, aber ohne Kontext eher ein Gimmick. Die eigentliche Stärke kam mit der Möglichkeit, Feldwerte aus dem Blueprint als Platzhalter zu referenzieren: {{ title }}, {{ date }}. Damit kannte die KI den Inhalt der im Panel aufgerufenen Seite und konnte sinnvoll darauf aufbauen.

Die frühen Verkaufszahlen waren niedrig. KI im CMS-Umfeld war 2024 noch eine Nische in der Nische. Aber das Plugin war für mich auch ein Lernprojekt – wie funktionieren große Sprachmodelle, wie baut man gute UIs drum herum, wie verkauft man digitale Produkte überhaupt?

Im Laufe der Monate wuchs der Copilot mit seinen Nutzer*innen. Version 2.5 brachte Multi-Field-Generation und Custom-Blocks-Support – statt einzelner Felder konnten ganze Seitenstrukturen auf einmal generiert werden. Version 3 fügte Inline Suggestions hinzu: Ghost-Text, der beim Tippen erscheint und mit Tab übernommen werden kann. Alle API-Anfragen laufen seitdem über einen serverseitigen Proxy, sodass API-Keys den Browser nie verlassen.

Heute ist der Copilot mit über 100 Lizenzen mein meistverkauftes Plugin. Damit hätte ich noch vor zwei Jahren nicht gerechnet!

Screenshot: Kirby Copilot field placeholders – Prompts mit Platzhaltern, um Inhalte von Kirby-Feldern einzubinden

„Gibt es so etwas wie Yoast SEO auch für Kirby?”

Die häufigste Frage bei WordPress-zu-Kirby-Migrationen betrifft nicht Blöcke oder Templates – sondern SEO. Genauer: den SEO-Report von Yoast. Kund*innen wollen ihre Seiten nach Lesbarkeit und Suchmaschinenkriterien visuell ansprechend auswerten und bei dem bleiben, was sie kennen. Yoast SEO ist im WordPress-Universum der Platzhirsch schlechthin. Auch hier spielt Editor-Experience eine fundamentale Rolle – wie kann ich das in die Kirby-Galaxie übersetzen?

Die Analyse-Logik von Yoast SEO ist quelloffen. Sie läuft im Browser und braucht keinen Server. Mit einigen Anpassungen konnte ich sie ins Kirby Panel portieren. Das Kirby SEO Audit wertet Seiten nach 28 Kriterien aus – 17 für SEO, 8 für Lesbarkeit, 3 speziell für Kirby. Die Analyse läuft lokal im Browser. Da keine externen APIs abgerufen werden, gibt es auch keine Datenschutzbedenken. Das passt gut zur Kirby-Philosophie.

Screenshot: Kirby SEO Audit – Audit-Ergebnisse einer Seite im Panel

Die Seiten-Vorschau im Panel, die es bis Kirby 5 nicht gab

Eines der zehn am häufigsten gewünschten Features für Kirby war in den letzten Jahren eine Live-Vorschau im Panel, die ungespeicherte Änderungen in Echtzeit anzeigt. Das klang machbar, war aber in der Implementierung steiniger als gedacht.

Eine Live Preview balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Nützlichkeit und Spielerei, zwischen redaktioneller Befähigung und Ablenkung. Ich glaube, es ist mir gelungen – man kann zwischen Mobile-, Tablet- und Desktop-Ansicht wechseln, und ein Klick in der Vorschau öffnet die entsprechende Panel-Seite, statt dem Link zu folgen.

Im Dezember 2025 verkündete das Kirby-Team seinen eigenen Live Editor für Version 6 – inklusive synchronem Scrolling und Viewport-Wechsel. Mein Plugin hatte offensichtlich die richtige Lücke gefüllt. Im Community-Discord kommentierte Nico Hoffmann vom Core-Team:

@Johann it was too good to not get sherlocked eventually

„Sherlocked“ ist quasi die schmeichelhafteste Art, mein Plugin überflüssig zu machen. Schade für zukünftige Pluginverkäufe, aber offensichtlich habe ich die Kirby-Devs inspiriert! Während die Live Preview ihre Zukunft an Kirby 6 abtrat, entstand der eigentliche Überraschungserfolg aus dem Gegenteil: nicht etwas Neues bauen, sondern ein bestehendes Plugin von Grund auf neu denken.

Der Überraschungserfolg: DeepL-gestützte Übersetzungen

Insgeheim war es der Kirby Content Translator, der den Stein ins Rollen brachte. Als kostenloses Open-Source-Plugin – DeepL-gestützte Übersetzung von Feldern im Kirby Panel – war ich so zufrieden mit der User-Experience, dass ich überhaupt erst darüber nachdachte, kommerzielle Plugins zu entwickeln. Die User-Experience fühlte sich so gut an, dass ich das Plugin von Grund auf überarbeitete und eine Pro-Version daraus machte: rekursive Übersetzung aller verschachtelten Blöcke, Layouts und Strukturfelder. Ein-Klick-Übersetzung ganzer Seiten. Neben DeepL lassen sich auch KI-Modelle von OpenAI, Anthropic oder Google als Übersetzungs-Engine nutzen.

In kurzer Zeit hat der Content Translator über 100 Lizenzen erreicht – das schnellste Wachstum meiner vier Plugins. Übersetzung ist offenbar ein universelleres Bedürfnis, als ich dachte. Von Bundesministerien über Open-Source-Projekte bis hin zu Kultureinrichtungen in Frankreich.

Screenshot: Kirby Content Translator – Ein-Klick-Übersetzung einer Seite mit Blöcken im Panel

Das Ökosystem unter der Haube

Plugins zu bauen ist eine Sache. Sie zu verkaufen eine andere. Hinter den vier Plugins steht ein Ökosystem, das über zwei Jahre gewachsen ist: Website, interaktive Spielwiesen, auf denen Interessierte die Plugins ohne Kauf direkt im Panel ausprobieren können, ein Lizenzserver und ein Customer-Portal. Das Gestalten von Dokumentation und Testumgebung dauerte gefühlt so lange wie die Entwicklung der Plugins selbst.

Der Kern ist ein Lizenzserver, den ich mit Nitro auf Cloudflare Workers hoste. Eine D1-Datenbank speichert alle Lizenzen. Wenn jemand ein Plugin über Paddle kauft, verarbeitet der Server den Webhook, erstellt die Lizenz und verschickt eine Bestätigungs-E-Mail. Der gesamte Flow – vom Klick auf „Kaufen” bis zur aktivierten Lizenz im Panel – läuft automatisch.

Über den Kirby Tools Hub können Käufer*innen ihre Lizenzen einsehen und Upgrade-Rabatte nutzen. Die Aktivierung geschieht direkt im Kirby Panel: E-Mail und Lizenzschlüssel eingeben, fertig. Anfangs brauchte es eine private Composer-Registry mit Authentifizierung – umständlich für alle Developer. Heute sind alle Plugins Open Source auf GitHub und auf Packagist verfügbar, nach dem gleichen Modell wie Kirby selbst: Code offen, Lizenz für die Produktion.

Mir war ein faires Lizenzmodell wichtig: eine Lizenz, unbegrenzt viele Projekte, kein Abo. Wenn Kirby ein Major-Release bringt, ziehen die Plugins allerdings meistens nach – damit beginnt eine neue Lizenz-Generation. Bestehende Kund*innen bekommen einen Upgrade-Rabatt.

Den Zahlungsanbieter habe ich einmal gewechselt. Lemon Squeezy war mein Startpunkt – es war einfach und schnell zu integrieren. Nach der Übernahme durch Stripe stagnierte die Plattform jedoch. Anfang 2026 bin ich daher zu Paddle migriert. Der Checkout ist jetzt ein Overlay direkt auf kirby.tools, ohne Weiterleitung.

Screenshot: Kirby Tools Hub – Lizenzübersicht im Customer-Portal
Übersicht aller Lizenzen

Wer nutzt das eigentlich?

Stand März 2026 sind 380 Lizenzen im Umlauf, verteilt auf vier Plugins. Kein Marketing-Budget, keine Ads, keine Kaltakquise. Die Plugins verkaufen sich über die Kirby-Community, Mundpropaganda und Suchmaschinen. Ein großer Dank gilt allem voran Kirbys Plugin-Marktplatz, der mir einen zentralen Funnel schenkt.

Was mich am meisten überrascht – wer meine Plugins nutzt. Unter den Lizenznehmer*innen finden sich:

  • openDesk – das Digitalisierungsprojekt des Bundesinnenministeriums
  • Schwarz Group – der Konzern hinter Lidl und Kaufland
  • Zammad – eine der bekanntesten Open-Source-Helpdesk-Lösungen
  • BBBank, Debeka, EnBW und Bosch

Lohnt sich das für mich?

Das kommt auf die Referenz an. Der Entwicklungsaufwand rechnet sich nicht, wenn man in Stundensätzen denkt. Aber das war nie der Maßstab. Plugin-Verkäufe sind auch eine Art, meine unbezahlte Open-Source-Arbeit querzufinanzieren – Spenden, die mich sonst nicht erreichen würden.

Was sich lohnt, ist das, was nebenbei entstanden ist. Ein tiefes Verständnis für Payment-Systeme, Lizenzierung und Serverless-Infrastruktur. Und vor allem: ein herzlicher Austausch mit Entwickler*innen. Meine größte Sorge war, der Erwartungshaltung nicht standhalten zu können – schließlich biete ich eine 30-Tage-Rückgabefrist an. Wenn bis jetzt niemand derart unzufrieden ist, sein Geld zurückbekommen zu wollen, können die Plugins nicht ganz dysfunktional sein.

Und ein Ökosystem, das funktioniert. Vom Webhook bis zur aktivierten Lizenz im Panel – jede Komponente habe ich selbst gebaut, jede Entscheidung selbst getroffen. Das ist es, was mich an diesem Projekt am meisten erfüllt: die Gewissheit, etwas Eigenes geschaffen zu haben, das sich auch in Verkaufszahlen niederschlägt.

Ausblick

Welches Plugin kommt als Nächstes? Ehrlich gesagt habe ich aktuell keine Idee für ein neues Plugin. Aber du vielleicht? Schreib mir – ich bin gespannt auf deine Ideen!