Finanzfluss Summer Days
Event-Fotografie (2025)
Laut meines Arbeitsvertrages bin ich bei Finanzfluss als Senior Software Engineer angestellt. Gleichzeitig bin ich auch inoffizieller Event-Fotograf der Firma (selbsternannt).
Auf den ersten Blick haben Programmieren und Fotografieren wenig gemeinsam. Das eine ist abstrakt technisch, das andere greifbar visuell. Doch beide haben denselben Endgegner: Unordnung. Im Code nennt man sie Software-Entropie – die Neigung eines Systems, mit jeder Änderung ein bisschen unordentlicher zu werden. Seit ich mit Agents arbeite, geht das noch schneller – jedenfalls, solange ich ihnen kein Geländer aus Linter und Tests baue. Ein Foto kann dasselbe Schicksal ereilen, nur in einer Hundertstelsekunde. Deshalb stelle ich in beiden Welten dieselbe Frage: Was kann weg?
Auf einem Event heißt das: lieber fünf Bilder, die etwas erzählen, als fünfhundert, die belegen, wer teilnahm. Ich suche die Menschen in ihrer Handlung und in ihrem Raum; und warte, bis beides zusammenkommt.
Update 2026: Jetzt sogar Lead Software Engineer für das Team Web Frontends bei Finanzfluss.
Das fotografische Firmenarchiv (oder der Traum davon)
Als ich 2022 bei Finanzfluss anfing, war es mir vor allem wichtig, meinen Platz im damals rund zwanzigköpfigen Team zu finden. Mit neuen Projekten und gemeinsamen Erfahrungen bei der Arbeit und im Privaten wurden die Verbindungen zu Kolleginnen und Kollegen vertrauter und freundschaftlicher. Ich erlebte meine erste Weihnachtsfeier, dann mein erstes Team-Event. Außer privaten Schnappschüssen von manchen im Team gab es keinen zentralisierten Ansatz, die Ereignisse zu dokumentieren. Fehlende Bilder erschweren das Schwelgen.
Daraus entwickelte sich allmählich der Wunsch, den Alltag im Büro und die Team-Events festzuhalten. Wer weiß, wohin Thomas, Arno und das gesamte Team die Firma in den kommenden Jahren bringen würde. Wie schön wäre es, irgendwann auf ein kleines Archiv zurückblicken zu können?
Ich traute mich schlicht nicht, zu fragen und anzufangen. Mich hemmte die potenzielle Erwartungshaltung, die andere an mich haben könnten, sobald ich mit dem Knipsen beginne. Zwei Jahre lang blieb der Wunsch deshalb ein Wunsch. Zum anstehenden Sommer-Event 2024 fühlte ich mich jedoch sicher genug, mich meiner Hürde zu stellen.
Der Sprung in die Spree
Durch Transparenz wächst Vertrauen, also kündigte ich im Vorfeld offen an, dass alle Fotos von meiner Seite her ausschließlich intern bleiben würden. Ob ein Bild veröffentlicht wird, entscheidet jeder für sich – bei Gruppenbildern alle gemeinsam, die darauf zu sehen sind. Die Bilder in diesem Artikel haben genau diesen Weg genommen.
Wir schipperten also im Sommer 2024 mit ein paar Flößen über die Spree. Das begleitende Fotografieren war für manche erst einmal ungewohnt. Verständlich, mir ging es genau so. Darin lag aber auch die Schönheit des Anfangens: Mit jeder Stunde wurde es selbstverständlicher. Spätestens als wir die Flöße in einem Seitenarm der Spree verankerten, um ins Wasser zu springen, waren alle entspannt und die Fotos authentisch. Vielleicht trug auch der Rahmen, alle Bilder würden intern bleiben, dazu bei.
Es war genau der richtige Rahmen, um mich kreativ zu entfalten und mich der Aufgabe zu stellen, die mir am Herzen lag.
Es wird an Wert gewinnen … mit der Zeit
Bezahlt werde ich dafür nicht – meine Leidenschaft fürs Fotografieren ruht auf drei Säulen.
- Zum einen bereitet mir der technische Aspekt Freude: digitales Knipsen mit meinem Lieblingsobjektiv Voigtländer 35mm/1:2,0 APO Lanthar. Es ist kein Autofokus verbaut. Was nach Einschränkung klingt, empfinde ich als einen willkommenen Gegenpol in einer exponentiell automatisierten Welt. Jedes Bild erfordert eine bewusste Entscheidung für den Schärfepunkt.
- Zum anderen fördert und fordert mich der innere Antrieb, ästhetische Bilder zu komponieren, die ich auch in einem Jahr noch gern ansehe.
- Vor allem aber erfüllt mich das Verewigen von Momenten für die Menschen, die darin vorkommen.
Während du diesen Text liest, könntest du dir – hypothetisch gesprochen – eine Minute Zeit nehmen und mit dem Smartphone einen Schnappschuss deiner Umgebung machen. Das erscheint dir jetzt vielleicht banal oder inhaltslos. Der Augenblick ist frisch, gerade bist du im Hier und Jetzt. Doch mit der Zeit würde auch der historische Wert dieses Fotos wachsen. Schaust du es dir in fünf Jahren an, erinnerst du dich vielleicht sogar an diesen Artikel.
Für mich sind Fotos Zeitkapseln für Erlebnisse: Sie transportieren nicht nur, was zu sehen war, sondern sind Anker für die darin empfundenen Gefühle oder Gedanken.
Teamausflug ins Königreich Marokko
Mit dem gesammelten Vertrauen des Teams in mich und mein fotografisches Können bat Thomas mich, unsere erste gemeinsame Firmenreise zu begleiten. Das Highlight meines Hobby-Jobs bisher, keine Frage!
Für eine ganze Woche flogen wir im Jahr 2025 nach Marrakesch und verbrachten eine intensive Zeit zwischen Entspannung, aktionsreichen Ausflügen und vor allem produktiven Fokuszeiten in kleineren Gruppen. Von Gesprächen über Ausflüge bis hin zu Meetings war es für mich ein inneres Feuerwerk, die Atmosphäre einzufangen.
In dieser einen Woche entstanden Fotos, die im Team heute zum Schwelgen einladen. Sie sind quasi Teil unserer kollektiven Erinnerung geworden. Sie liegen in einem Google-Drive-Ordner, den ich seither füttere, und sind unterwegs zu dem, was ich mir 2022 gewünscht hatte: ein Archiv, durch das die Zeit zurückgedreht werden kann.
Vom Konferenzraum ins Kino
Die Jahre davor gab es zum Jahresende eine kleine Retrospektive im Büro. 2025 mieteten Thomas und Arno ein Programmkino um die Ecke und hielten die Jahrespräsentation dort, statt wie üblich im Konferenzraum.
Für mich war das ein Geschenk: neue Location, anderes Licht, andere Perspektiven. Als ich über den Gang zur hintersten Ecke für ein Foto von der Leinwand schlich, wurde mir bewusst, wie groß das Team inzwischen geworden war.
Ausblick auf 2026
Thomas präsentierte an diesem Abend, was die nächsten Jahre bei Finanzfluss ein Hauptfokus sein wird – Community Wealth.
Vielleicht sitzt irgendwann jemand vor dem Google-Drive-Ordner, scrollt zurück bis zu diesem Abend im Dezember 2025, sieht etwas mehr als 60 Menschen im Kino sitzen und denkt: So klein waren wir mal.